Wenn der Hoflieferant verloren geht… Discounter-Kunde auf Abwegen

Es war eine schöne Zeit. RegelmĂ€ĂŸig, genau genommen hauptsĂ€chlich, bevorratete ich mich beim örtlichen Lidl-Markt. Nicht nur, weil er genau auf dem Weg von der Arbeitsstelle nach Hause lag. Denn auch als der Markt nicht auf dem direkten Weg lag, habe ich ihn abends angefahren. — Spaßhaft haben wir Lidl als unseren Haus- und Hoflieferanten bezeichnet!

Und das stimmte auch. Denn fast alles, was wir aßen, stammte von diesem Konzern. Auch Hygiene- und Reinigungsmittel sowie Katzenfutter kaufte ich dort.

Das Obst und GemĂŒse war im Vergleich zur Konkurrenz von bester QualitĂ€t. Der einzige, der hier besser gewesen ist, war der Edeka-Markt. Der war dafĂŒr teurer.
Die Preise bei Lidl waren gĂŒnstig. Eine passende, umfangreiche Auswahl und nicht nur die Grundnahrungsmittel wie beim Aldi. Zu dem auch noch Markenware im Sortiment.

Und der Laden war ordentlich. Nicht so etwas chaotisches wie der nĂ€chste Netto oder die Norma. Zudem kamen die Preise: deutlich gĂŒnstiger als die Wettbewerber. Auch schmeckten uns die Eigenmarken besser als bei den anderen.

Also rund um zufrieden.

Aber das war einmal!

Inzwischen haben die anderen aufgeholt. Aber nicht weil sie besser geworden sind, sondern weil unser Hoflieferant stetig schlechter wurde. — Ein schleichende Prozess.

Lidl war bei uns der erste, der frisch (auf)gebackene Brote verkaufte. Die QualitĂ€t dieser war auch nicht schlechter als die der grĂ¶ĂŸten regionalen BĂ€ckerkette. Die Lidl-Brötchen konnte man noch am Abend essen und am nĂ€chsten Morgen aufbacken. Die vom GroßbĂ€cker waren nicht selten morgens schon so alt, dass sie pappig oder knochenhart auf den Tisch kamen.
Das zu unschlagbaren Preisen.

Heute: kein Brot mehr unter 1,19 EUR. Wenn man GlĂŒck hat ist die Rinde bei einem mittags gekauften Brot abends noch kross. Geschmacklich geben die Brote auch nichts mehr her. Schmecken nur noch nach Mehl und alle gleich.
Dagegen das gĂŒnstigste Brot beim Aldi aus der Backmaschine (ob es eine ist, dieser Automat mit der Frauenstimme, weiß ich nicht) kommt kroß aus dem Laden und hĂ€lt sich ein paar Tage in dem Zustand. Schmecken tut es auch nicht nur nach Mehl. Kostet dafĂŒr aber lediglich 0,89 EUR.

Das Katzenfutter wurde in letzter Zeit in neue Verpackungen eingetĂŒtet. Jedoch nicht nur die Verpackung wurde geĂ€ndert. Mit jeder Änderung wurde die Eigenmarken teurer. Ein Preisvorteil gegenĂŒber gĂŒnstigen Tiernahrungsmarken ist nicht oder kaum noch vorhanden. Der Inhalt optisch qualitativ schlechter (dicke Klumpen, Fett etc.). Und nicht nur das: mit jeder VerpackungsĂ€nderung verweigerten die Tiere die Nahrungsaufnahme mehr.

Was im Rahmen der VerpackungsĂ€nderung als „neue Rezeptur“ verkauft wurde, war nichts weiter als Produktverschlechterung.

Wie schon angesprochen waren Obst und GemĂŒse einst von guter — ich will jetzt nicht sagen top – – QualitĂ€t. Auch das war mal. Wenn schon in der Auslage die Frischware schimmelt und fault, ist die mangelnde QualitĂ€t nicht weit. Aber das muss man ja nicht kaufen. Schlimmer ist, dass das heute gekaufte GemĂŒse und Obst zu Hause nicht einmal mehr ein paar Tage durchhĂ€lt! Nicht selten ist das Lidl-Obst am nĂ€chsten oder ĂŒbernĂ€chsten Tag faulig.

AuffĂ€llig ist auch, dass inzwischen KĂ€se einen Einheitspreis hat. Egal ob Marke oder Eigenmarke — auch der gewachst BilligkĂ€se der Eigenmarke. Lediglich die Mengen unterscheiden sich. Sie werden stetig weniger: Sowohl in der Anzahl von Scheiben als auch Gewicht. Und in den scheinbar gut gefĂŒllten Obazda-Schalen befindet sich am Boden immer hĂ€ufiger eine große Luftblase.
Gerade hinsichtlich FĂŒllmenge fĂ€llt etwas gravierend auf. Und nicht nur bei Lidl. ZunĂ€chst wird die Zahl der Scheiben Wurst oder KĂ€se reduziert. Wenn sich der, KĂ€ufer ungewollt daran gewöhnt hat, dass nur 6 anstatt 8 Scheiben in der Packung sind, wird das Gewicht reduziert. Das passiert bei Lidl inzwischen gefĂŒhlt laufend.

Zum Schluß noch das wundersame PhĂ€nomen der Auslistung. Vielleicht bin ich ja abartig. Aber irgendwie verschwinden gerade von mir gerne gekauften Produkte vermehrt aus dem Sortiment. Es fing an mit dem Apfe-Bananen-Nektar (die Familie redete immer on Schleimsaft). Dann wurde die Eierspaghetti, deutlich besser schmecken als die aus Hartweizen, ausgelistet. JĂŒngst suchte ich Ananas in Dosen – – weder die in StĂŒcken noch die in Scheiben konnte ich finden….

Lidl gilt als Discounter. Aber ehrlich, man hat sich weit davon weg entwickelt. Teurer geworden und qualitativ schlechter. Netto, Norma oder Aldi sind meines Erachtens keine direkten Wettbewerber mehr. Lidl muss man im Wettbewerb mit z.B. Kaufland sehen – wenigstens bei den Lebensmitteln. An die hochpreisigen MĂ€rkte von Edeka und Real kommen sie noch nicht heran.

Was mich betrifft wird der örtliche Aldi, auch wenn er noch den Charme und das Flair der 1980er und 1990er Jahre aufweist, mehr Umsatz machen. Wenn der in das neue Konzept ĂŒberĂŒhrt wird, und noch mehr Ware ins Sortiminet nimmt, könnte er sogar zur Hauptbeschaffungsquelle werden.

Adieu Lidl.

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